Die Glocke ist verstummt!

Die ansässigen Bürgerinnen und Bürger sind es seit Jahren gewöhnt, dass die Almhorster Glocke regelmäßig um 11:00 und 18:00 Uhr lautet. Aufmerksamen Anwohnern ist es bestimmt schon aufgefallen – Genau die Gewohnheit ist seit kurzem verstummt.

Durch einen technischen Defekt werden wir vorerst nicht unsere Glocke im Ort hören. Wir hoffen auf eine schnelle Reparatur und verfallen uns für den Moment dem Gedicht von Theodor Fontane (1819 – 1898):

Glockenlieder – Teil 1

Der Glocke feierliche Klänge
Ertönen mächtig durch die Luft,
Zur Kirche wallt die gläubige Menge,
Wie wenn sie Gottes Stimme ruft.
Der Turm erbebt, die Töne brausen
Wie Sturmwind in der Felsenkluft;
Jetzt möcht’ ich auf der Glocke sausen
In wildem Fluge durch die Luft;
Und tönt es dann – gewaltger klingend –
Gottpreisend aus der Glocke Mund,
Da glaubt’ ich fester sie umschlingend,
Die eigne Seele gäb’ ich kund.

Glockenlieder – Teil 2

Werden einst sie mich begraben,
Wird kein Auge trübe sein,
Kein Gefolge werd’ ich haben,
Selbst zum Grabe gehen allein.
Sei’s! anstatt des Volkes Menge
Wählt’ ich mein Geleite schon,
Folgen werden Glockenklänge,
Schritt vor Schritt, mit ernstem Ton.
Nur die Glocke wird ertönen,
Trauern nur ihr Eisenherz;
Aber ihre Klänge höhnen,
Heucheln nie den wahren Schmerz.
Stürmen wird sie – mich zu ehren -,
Wenn ich schon zur Ruh’ gebracht,
Wie die Salve von Gewehre
Über Kriegergräber kracht;
Und ihr tiefer Kummer dauert
Ewig wie der Mutterschmerz;
Meine Glocke tönt und trauert,
Bis ihr bricht das Eisenherz.

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